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Prof. Dr. med. Kai Megerle
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Neurome & Amputationsschmerzen

Modernste Mikrochirurgie zur Linderung neuropathischer Schmerzen

Diagnostik & Symptome

Neurome und neuropathische Schmerzen verstehen

Neurome sind gutartige, aber oft hochproblematische Nervenwucherungen, die nach Nervenverletzungen, Operationen oder Amputationen entstehen können. Sie treten auf, wenn durchtrennte Nervenfasern versuchen zu regenerieren, aber ihr physiologisches Ziel nicht finden. Stattdessen bilden sie einen unorganisierten, extrem überempfindlichen Nervenknoten.

Während viele Neurome symptomfrei bleiben, verursachen symptomatische Neurome stark beinträchtigende, chronische neuropathische Schmerzen. Dieser Schmerz wird häufig als brennend, stechend oder elektrisierend beschrieben und kann schon durch leichteste Berührungen (Allodynie) oder Kälteexposition ausgelöst werden. Der anhaltende Schmerz beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich und führt zu erheblichen psychosozialen Belastungen, Schlafstörungen und Funktionseinschränkungen.

Ultraschallbild
Chirurgische Therapie

Chirurgische Rekonstruktion und Defektüberbrückung

Für Patienten, bei denen das körperferne (distale) Ende des Nervs noch vorhanden ist, ist die Behandlung der Wahl die präzise chirurgische Entfernung des Neuroms mit anschließender Nervenrekonstruktion. Die Wiederherstellung der Nervenkontinuität führt zu signifikant besseren klinischen Ergebnissen und niedrigeren Rückfallquoten als das alleinige Versenken des Nervenendes im Gewebe.

  • Direkte Koaptation: Ist die entstandene Lücke sehr klein, werden die Nervenenden mithilfe mikroskopischer Nähte direkt und völlig spannungsfrei wieder miteinander verbunden. Dies ist leider nur sehr selten möglich.
  • Autologe Nerventransplantate: Bei größeren Defekten wird ein sensibler Nerv aus einem anderen Körperbereich (z. B. dem Unterschenkel) entnommen, um die Lücke zu überbrücken. Dies ist der absolute Goldstandard für die Rekonstruktion größerer Nervendefekte.
  • Conduits und Allotransplantate: Für kürzere Lücken können synthetische Röhrchen (Conduits) oder aufbereitete Spendernerven (Allografts) genutzt werden, um die regenerierenden Fasern schützend zu leiten.
Konzept der mikrochirurgischen Nervenreparatur
Phantomschmerz & TMR

Innovative Lösungen für Amputationsschmerzen

Nach einer Amputation hat der durchtrennte Nerv kein distales Ziel mehr, mit dem er sich verbinden könnte, was unweigerlich zur Bildung von Stumpfneuromen führt. Diese können unerträgliche Stumpfschmerzen und schwere Phantomschmerzen verursachen, die das Tragen einer Prothese nahezu unmöglich machen.

Um dieses Problem zu lösen, setzt Prof. Dr. Megerle modernste chirurgische Techniken ein, die darauf abzielen, dem regenerierenden Nerven eine physiologische Aufgabe zu geben und so die Entstehung eines Neuroms zu verhindern:

  • Targeted Muscle Reinnervation (TMR): Der durchtrennte Nerv wird chirurgisch in einen nahegelegenen motorischen Nervenast eines noch funktionierenden Muskels umgeleitet. Der Nerv wächst in den Muskel ein und bekommt so eine neue "Aufgabe". Dies reduziert die Schmerzen erheblich. Die TMR zeigt im Vergleich zu traditionellen ablativen Techniken weitaus überlegenere Ergebnisse.
  • Regenerative Peripheral Nerve Interface (RPNI): Das Nervenende wird in ein kleines, freies Stück körpereigenen Muskelgewebes implantiert. Dieses Muskeltransplantat bietet ein lebendes biologisches Ziel für die Nervenfasern und verhindert so effektiv und dauerhaft die schmerzhafte Neurombildung.
chirurgische Instrumente

Häufig gestellte Fragen

Was genau ist ein Neurom?

Ein Neurom ist eine abnormale Regeneration von Nervengewebe, die auftritt, nachdem ein peripherer Nerv beschädigt oder durchtrennt wurde. Anstatt sich ordnungsgemäß wieder zu verbinden, sprossen ungerichtete Nervenfasern (Axone) zu einer unorganisierten Masse aus Narbengewebe aus. Diese Knötchen können hochsensibel werden und chronische neuropathische Schmerzen verursachen.

Wie wird ein symptomatisches Neurom diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich auf eine gezielte klinische Untersuchung, einschließlich des Hoffmann-Tinel-Zeichens, bei dem das Beklopfen des Nervs elektrisierende Schmerzen auslöst. Zudem kann durch hochauflösenden Ultraschall das Neurom präzise lokalisiert werden. Diagnostische Lokalanästhesie-Blockaden können die genaue Schmerzquelle weiter bestätigen.

Was ist die Targeted Muscle Reinnervation (TMR)?

Die TMR ist eine hochmoderne chirurgische Technik, die primär bei schmerzhaften Stumpfneuromen nach Amputationen eingesetzt wird. Das Neurom wird entfernt und das durchtrennte Nervenende mit einem nahegelegenen motorischen Nervenast eines intakten Muskels verbunden. Dies gibt den regenerierenden Nervenfasern ein neues physiologisches Ziel, senkt das Risiko eines Neuromrezidivs erheblich und lindert Phantomschmerzen.

Was ist ein Regenerative Peripheral Nerve Interface (RPNI)?

RPNI ist ein chirurgisches Verfahren, bei dem das freie Ende eines durchtrennten Nervs in ein kleines, freies Stück körpereigenen Muskel- oder Hautgewebes eingenäht wird. Das Gewebestück wächst ein und bietet ein biologisches Ziel für die regenerierenden Nervenfasern, wodurch die schmerzhafte Neurombildung effektiv verhindert wird.

Kann eine konservative Therapie helfen?

Ja. Vor einer Operation wird oft ein multimodaler konservativer Ansatz verfolgt. Dieser umfasst spezifische Medikamente gegen neuropathische Schmerzen (wie Gabapentin oder Pregabalin), gezielte Ergotherapie zur Desensibilisierung und lokale Injektionstherapien. Eine rein medikamentöse Therapie bietet jedoch nur bei etwa 30 % der Patienten eine ausreichende Schmerzlinderung.