Chirurgische Behandlung von Spastiken
Wiederherstellung von Gleichgewicht und Lebensqualität an der oberen Extremität
Verständnis der Spastik
Schädigungen des zentralen Nervensystems – etwa durch einen Schlaganfall, Zerebralparese, Schädel-Hirn-Trauma oder Multiple Sklerose – können zu einer spastischen Lähmung führen. Diese Erkrankung ist durch eine unwillkürliche, geschwindigkeitsabhängige Zunahme des Muskeltonus gekennzeichnet. Im Laufe der Zeit führt diese ständige Anspannung zu schweren Gelenkversteifungen, verkürzten Sehnen und schmerzhaften Deformitäten wie der Faustballung oder dem eingeschlagenen Daumen ("Thumb-in-Palm").
Prof. Megerle gehört zu den erfahrensten Chirurgen Deutschlands auf dem Gebiet der operativen Spastikbehandlung. Als anerkannter Experte verfolgt er einen hochgradig maßgeschneiderten, multimodalen Ansatz zur Behandlung der spastischen oberen Extremität.
Umfassende chirurgische Lösungen
Wenn konservative Therapien (wie Physiotherapie und Botox) an ihre Grenzen stoßen, kann eine Operation Funktion und Komfort der Extremität verbessern. Als erfahrener rekonstruktiver Handchirurg verlässt sich Prof. Dr. Megerle nicht auf eine einzige Technik, sondern schöpft das gesamte Spektrum der Spastikchirurgie aus:
- Hyperselektive Neurektomie (HSN): Durch eine gezielte Reduktion der Nervenimpulse wird der spastische Krampf drastisch reduziert, während die eigentliche Funktion erhalten bleibt.
- Sehnentransfers und Muskellösungen: Wenn sich Muskeln und Sehnen bereits dauerhaft verkürzt haben (Kontraktur), führen wir präzise Sehnenverlängerungen sowie Muskelablösungen (Releases) durch oder lagern Sehnen gezielt um, um das mechanische Gleichgewicht wiederherzustellen.
- Gelenkoperationen: Bei schweren, rigiden Kontrakturen, die sich nicht mehr allein durch Eingriffe an Sehnen und Nerven lösen lassen, bieten wir Gelenklösungen (Arthrolysen) oder stabilisierende Versteifungen (Arthrodesen) an, um die Gelenkstellung dauerhaft zu korrigieren.
Die Bedeutung der postoperativen Nachsorge
Der Erfolg der Spastikchirurgie hängt stark davon ab, was nach dem Verlassen des Operationssaals geschieht. Die Operation stellt das Kräftegleichgewicht im Arm neu ein, aber das Gehirn und der Körper müssen erst lernen, diese neue Ausrichtung zu nutzen.
Eine konsequente postoperative Schienenbehandlung und spezifische Rehabilitation sind absolut entscheidend. Nach Ihrem Eingriff werden Sie mit individuell angefertigten Orthesen (Schienen) versorgt, um die chirurgischen Korrekturen zu schützen. Wir arbeiten eng mit spezialisierten Therapeuten zusammen, die Sie durch ein Rehabilitationsprogramm führen, um langfristig gute Ergbnisse zu erreichen.
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist eine hyperselektive Neurektomie (HSN)?
Die HSN ist ein präziser mikrochirurgischer Eingriff, bei dem wir die motorischen Nervenendäste genau dort adressieren, wo sie in den spastischen Muskel eintreten. Durch die sorgfältige Durchtrennung eines Teils dieser Fasern reduzieren wir den Muskeltonus dauerhaft, ohne eine vollständige Lähmung zu verursachen.
Sind die Ergebnisse der chirurgischen Spastikbehandlung dauerhaft?
Im Gegensatz zu pharmakologischen Behandlungen wie Botulinumtoxin-Injektionen, die regelmäßig wiederholt werden müssen, ist die durch eine Neurektomie, Muskelablösung oder Sehnenverlängerung erreichte Reduktion des Muskeltonus in der Regel dauerhaft. Im ersten Jahr kann es durch natürliche Nervensprossung zu einer leichten Tonusrückkehr kommen, die jedoch meist sehr gut toleriert wird.
Was sind die Ziele der Spastikchirurgie?
Die Ziele variieren je nach Schweregrad der Erkrankung. In einigen Fällen zielen wir darauf ab, verborgene willkürliche Bewegungen freizulegen und die aktive Funktion zu verbessern. Bei stark funktionsbeeinträchtigten Extremitäten besteht das Ziel häufig darin, Schmerzen zu lindern, stigmatisierende Deformitäten zu korrigieren und die tägliche Hygiene sowie die Pflege zu erleichtern.
Warum ist eine postoperative Schienenbehandlung notwendig?
Eine Operation verändert das mechanische Gleichgewicht von Arm und Hand. Maßgefertigte Schienen (Orthesen) halten die neu ausbalancierten Gelenke und Sehnen während der Heilung in der korrekten Position. Ohne eine spezialisierte Nachbehandlung ist das Risiko hoch, die chirurgisch erreichten Verbesserungen wieder zu verlieren.